Sozialer Wohnungsbau für Wildbienen

Was kann man für Insekten im Garten tun?

Kinderstuben für Wildbienen gibt es auch zu kaufen. Sie sehen einem Vogelnistkasten ähnlich. Die vielen kleinen Löcher führen in die Wohnröhren.

Wer denkt bei dem Wort Nisthilfen nicht zuerst an unsere heimischen Singvögel? Seit vielen Jahrzehnten versucht man, die Ansiedlung von höhlenbrütenden Vögeln wie Meisen zu begünstigen. Nicht zuletzt hofft man darauf, dass sie sich im Garten als Insektenvertilger nützlich machen.

Wer jedoch in seinem Garten eine möglichst große Vielfalt an Tieren ansiedeln möchte, tut gut daran, sich auch um andere Tiergruppen zu kümmern. Inzwischen weiß man nämlich auch, wie Nisthilfen für Säugetiere, Wildbienen, Ohrwürmer und andere Insekten beschaffen sein müssen.

Nisthilfen sind eine Krücke, also ein Ersatz für fehlende oder verlorengegangene natürliche Nistmöglichkeiten. Freilich sind sie oft sehr wirksam und der echte Naturfreund wird sich über die gelungene Ansiedlung einer seltenen Wildbienenart in seinem Garten genauso freuen wie über Meisen oder Igel.

Vielfach brauchen wir Nisthilfen gar nicht erst künstlich anzulegen, sondern es reicht, wenn wir sie nicht beseitigen. Dies geschieht oft, wenn wir Ordnung schaffen: Spätestens im Herbst werden die Gärten leergeräumt. Verdorrte Stauden und Heckenschnitt werden im günstigsten Fall noch kompostiert. Doch erst die alten und scheinbar toten Pflanzen bieten vielen Tieren einen Lebensraum. Woran sich unser Ordnungssinn stört, birgt oft noch eine Fülle von Leben. Wer weiß schon, dass der Stängel einer Blumenstaude als Überwinterungsort für Schmetterlingsraupen, Tausendfüßler und Schlupfwespen dient? Oder eine Königskerze: sie braucht zwei Jahre, bis sie uns durch ihre Blüten erfreut. Im Herbst präsentiert sie sich dann braun und unschön. Ist das Grund genug, sie zu beseitigen?

Wer sie stehen lässt, kann sich im Winter am Besuch von Vögeln erfreuen. Im nächsten Jahr besiedeln die ersten Wildbienen, die meist kleiner sind als die Honigbiene, die stehenden Stängel. Wer genau hinschaut, sieht die Fraßspuren und kann manchmal sogar die Bienen bei ihrer Tätigkeit beobachten. Es dauert jedoch nochmals ein Jahr, bis die ersten Jungbienen aus dem Stängel schlüpfen. Zwei Jahre müssen wir also den Anblick des Stängels (und die kritischen Blicke der Nachbarn) erdulden.

Nicht nur Stauden werden von Kleintieren besiedelt: Wo einige alte Äste herumliegen, tauchen bald Käfer, Hundertfüßler und Asseln auf. Unter Steinen bauen Ameisen ihre Nester und im Reisighaufen siedeln sich Igel an. Je unaufgeräumter ein Garten ist, desto mehr Tieren bietet er Lebensraum. Eine Lösung zu finden, wie man einen Garten attraktiv für Tiere gestalten kann, ohne dass er wie ein Schrott- und Gerümpelplatz aussieht, dazu bedarf es schon fast eines Gartenbaukünstlers.

Ansiedlungsversuche von Kleinlebewesen sind natürlich zum Scheitern verurteilt, wenn im Garten Insektizide und andere Pestizide verwendet werden. Für den echten Bio-Gärtner sind diese Mittel ohnehin tabu.
Wie kann man nun aber gezielt seinen Garten für einzelne Tierarten schmackhaft machen? Beginnen wir mit den Bienen und anderen Hautflüglern. Wildbienen und Hummeln erfüllen eine wichtige Aufgabe im Garten. Sie bestäuben die Blüten der Nutzpflanzen auch zu Zeiten, in denen die Honigbienen aufgrund der Witterung nicht mehr aktiv sein können. Wildbienen kann man helfen, indem man hohle Stängel von Schilf oder Stauden bündelt und an einer geeigneten, sonnigen Stelle aufhängt. Oder man bohrt in Holzstücke aus Laubholz (Eiche oder Buche) Löcher mit 2-10 mm Durchmesser und 2-10 cm Tiefe. Solche Löcher werden von den einzeln lebenden Wildbienen zur Brutablage genutzt. Die Holzstücke werden – in der Sonne aufgehängt – selbst dann als Nisthilfe angenommen, wenn man sie auf dem Balkon eines Wohnblocks aufhängt.

Erdbewohnende Bienen- und Hummelarten kann man helfen, wenn man im Garten kleinere vegetationsfreie Flächen schafft, z.B. indem etwas Sand angeschüttet wird. Hornissen siedeln sich oft von selbst in Schuppen oder Baumhöhlen an. Viele Leute haben Angst vor ihnen und vertreiben sie – völlig unnötigerweise. Diese Tiere verhalten sich trotz ihres Brummens friedlich und sind viel weniger stechlustig als z.B. Wespen. Auch ist der Stich – abgesehen von Allergikern – nicht gefährlich.

Auch andere Insekten bereichern das Leben im Garten. Laufkäfer oder Marienkäfer werden im Garten als Nützling gern gesehen, andere sind als Schädling gefürchtet. Doch die Kategorien Schädling und Nützlinge sind eigentlich überholt. Jedes Insekt spielt eine Rolle im Nahrungsnetz, schädlich wird es erst bei Massenvermehrungen. Die kann man aber am besten vermeiden, wenn man die natürlichen Feinde fördert.

Marienkäfer, neben den Schwebfliegenlarven der Schrecken der Blattläuse, können wir einfach dadurch fördern, dass wir größere Büschel alten Grases stehen lassen. Obstbauer wissen, dass Ohrwürmer ein wirksames Mittel sind, um unerwünschte Insekten auf Obstbäumen in Schach zu halten. Deshalb werden oft mit Stroh, Gras oder Holzwolle gefüllte Blumentöpfe in Bäume gehängt, in denen sich diese Tiere bevorzugt ansiedeln. Ohrwürmer suchen zwar das Dunkel, aber es kann getrost in das Reich der Fabel verwiesen werden, dass sie menschliche Ohren bevorzugen.

Eidechsen kann man am ehesten in sonnigen Steingärten erwarten. Wer sich eine Trockenmauer aus Natursteinen z.B. an einer Böschung anlegt, hat gute Chancen, diese wärmeliebenden Tiere zu beobachten. Ebenfalls zur Familie der Eidechsen gehört die beinlose Blindschleiche. Im Garten findet man sie am ehesten unter organischem Material, bevorzugt am Komposthaufen. Wer Küchenabfälle, Rasenschnitt und anderes im Garten anfallendes Material selbst kompostiert, hilft nicht nur den Blindschleichen, sondern auch einer Vielzahl anderer Lebewesen. Sie tragen dazu bei, dass unsere Abfälle in wertvollen Humusdünger verwandelt werden.

Bildquellen: L. Domdey

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