Hobbygärtner können im Kreislauf wirtschaften

Hochmoore sind Wasserspeicher und Lebensraum zugleich. Torfgewinnung für Gärtnerzwecke fügt ihnen großen Schaden zu.

Hochmoore sind Wasserspeicher und Lebensraum zugleich. Torfgewinnung für Gärtnerzwecke fügt ihnen großen Schaden zu.
Wer seinen Garten nicht nur als pflegeleichte grüne Umgebung des Hauses ansieht, sondern die Freude und Zeit zur Gartenarbeit hat, der wird sich einen Gemüsegarten anlegen. Selbst gezogenes Gemüse, dessen Wachstum man vom Samen bis zur Ernte verfolgt hat, schmeckt einfach doppelt so gut. Und außerdem ist Gartenarbeit eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die – mit dem richtigen Werkzeug betrieben – durchaus Spaß macht.

Der Kleingärtner, der ohnehin viel von Hand bearbeitet, kann auch Schädlinge viel leichter ohne Chemie in Schach halten als ein Bauer auf Feldern, von denen er lebt. Dieser Meinung war auch die baden-württembergische Landesregierung, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – den Einsatz von Schädlingsvertilgungsmitteln in Kleingärten verboten hat. In der Vergangenheit war es nämlich leider so, dass Kleingärtner im Verhältnis dreimal so viel Gift verwendet haben wie Bauern.
Wer seinen Gemüsegarten auf der Baar hat, muss Rücksicht auf das raue Klima nehmen. Zwar lassen sich auch hier trotz langer Winter fast alle Gemüsearten anbauen, doch muss man sie vor Kälte schützen. Empfindliche Pflanzen wie z.B. Tomaten wird man deshalb sehr spät im Garten aussetzen und lieber eine Zeit lang im Haus in Blumentöpfen heranziehen. Oder man treibt etwas mehr Aufwand und legt sich ein Frühbeet an, unter dessen Glashaube die wärmenden Sonnenstrahlen wie in einer Falle konzentriert werden.

Düngung

Bei der Düngung wird oft des Guten zu viel getan. Auch im Garten gilt: all zuviel ist ungesund. Wer im Übermaß Stickstoffdünger verwendet, dessen Gemüse enthält viel ungesundes Nitrat, ist anfällig gegen Blattläuse und hat eine geringe Lagerfähigkeit. Zu viel Phosphor führt zu Mangelerscheinungen von Spurenelementen, und zu viel Kalium hemmt Wuchs und Ertrag.

Auf mineralische Dünger soll und kann man im Kleingarten völlig verzichten. Das gleiche gilt für Torf, für dessen Gewinnung die letzten Hochmoore zerstört werden. Wer seine Garten- und Küchenabfälle kompostiert (davon mehr in einer späteren Folge), der hat genug Dünger und Bodenverbesserungsmittel für seinen Garten. Was im Garten an Staudenabfällen und Grasschnitt anfällt, kann so im Kreislauf wieder im Garten verwendet werden.

Eine umweltverträgliche Form der Düngung ist außerdem die Gründüngung. Darunter versteht man den Anbau von Pflanzen, die die Menge der Nährstoffe im Boden vergrößern, indem sie z.B. Luftstickstoff binden. Dazu gehören zum Beispiel Buchweizen, Winterraps, Lupinen oder der Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia), der auf allen Böden gedeiht. Die meisten dieser Pflanzen kann man noch im August aussäen, wenn ein Beet schon abgeerntet ist. Die Gründüngungspflanzen werden in der Regel noch vor ihrer Blüte abgeschnitten und in den Boden eingearbeitet.
Mischkultur und Fruchtfolge

Erfahrene Gärtner wissen: bestimmte Pflanzen vertragen sich sehr gut miteinander, andere nicht. Am bekanntesten ist vielleicht der günstige Einfluss, den Zwiebeln auf Erdbeeren und Karotten haben. Nachdem im Hausgarten ohnehin kleinflächig gewirtschaftet wird, bietet es sich an, sich gegenseitig fördernde Gemüsearten gemischt oder in abwechselnden Reihen anzupflanzen.

Die guten Ergebnisse der Mischkultur lassen sich einmal mit den unterschiedlichen Wuchsformen und Nährstoffansprüchen erklären. Eine tief wurzelnde Pflanze gedeiht neben einer flach wurzelnden eben besser als neben einer anderen tiefwurzelnden. Außerdem vertreiben bestimmte Pflanzen Schädlinge, die andere Pflanzen befallen. Besonders günstig sind dabei Gewürzpflanzen. Wermut zum Beispiel hält Erdflöhe von Radieschen und Rettichen fern, freilich darf man ihn nicht neben Fenchel pflanzen. Baldrian dagegen wirkt auf alle anderen Pflanzen günstig.

Da die Pflanzen unterschiedliche Nährstoffansprüche haben, ist es meist ungünstig, eine Gemüseart auf demselben Beet über mehrere Jahre hinweg anzubauen. Abwechslung laugt den Boden weniger aus und nutzt die Nährstoffe effektiver. Freilich gibt es auch hier bestimmte Regeln, die man aus einem guten Gartenbuch entnehmen kann.

Werkzeuge

Früher empfahl man allgemein, den Garten tief umzugraben. Biogärtner dagegen schwören darauf, den Boden nur oberflächlich zu lockern. Dadurch werden die Bodenlebewesen geschont, die für die Fruchtbarkeit von entscheidender Bedeutung sind. Dazu braucht man freilich auch spezielle Werkzeuge.

Die Ziehhacke oder den Kultivator zieht man flach durch den Boden, der dadurch gelockert wird. Gleichzeitig wird das Unkraut entfernt, und mit diesem Instrument läßt sich auch Kompost gut einarbeiten. In bereits bewachsenen Beeten ist der Sauzahn geeigneter. Er hat nur einen Zahn am gebogenen Stahlende und lässt eine genaue Bearbeitung zu.

Wo der Boden zu hart oder schwer für diese Geräte ist, muss er mit einer Grabgabel oder einem Spaten gelockert werden, ohne ihn allerdings zu wenden.
Der Wettkampf mit Blattläusen und Schnecken

In der Landwirtschaft geht man im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes immer mehr dazu über, einen gewissen Schädlingsbefall zu dulden. Eine gewisse Anzahl an Schädlingen ist sogar gut, denn sonst könnten deren Fressfeinde ja nicht existieren, die eine Massenvermehrung verhindern helfen. Erst wenn eine Schadensschwelle überschritten ist und wirklich nennenswerte Ernteausfälle auftreten würden, sind Bekämpfungsmaßnahmen sinnvoll. Man sollte deshalb durchaus die ein oder andere Blattlaus tolerieren, ohne gleich zur (verbotenen) Giftspritze zu greifen.

Ein starker Schädlingsbefall ist außerdem meist ein Zeichen für gartenbauliche Fehler. Wenn sich Gemüsepflanze und Bodentyp

nicht vertragen oder wenn zuviel gedüngt wurde, haben Schädlinge ein leichtes Spiel. Schäden durch Mehltau wird man vor allem dann haben, wenn die Kulturpflanzen zu dicht stehen. Und ein starker Blattlausbefall auf bestimmten Zierrosenarten zeigt an, dass diese Sorte für das Klima der Baar einfach ungeeignet ist.

Wenn man doch einmal gegen Schädlinge vorgehen muss, hat man inzwischen eine ganze Auswahl ökologisch unbedenklicher Methoden. Blattläuse kann man mit einer (kurz gezogenen) Brennesseljauche oder einem Tabaksud bekämpfen. Auch aus Ackerschachtelhalm, Knoblauch, Wurmfarn und Wermut lassen sich wirksame Brühen gewinnen. Gegen manche Kleinschmetterlinge helfen Präparate mit Bacillus thuringensis.

Nur bedingt wirksam sind dagegen all die Hausmittelchen gegen Schnecken, von der Bierfalle bis zu Kalziumhydroxid. Will man auf Schneckenkorn verzichten, so bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, die Beete mit einem nach außen geknickten Blech rundum einzufassen. Wem dies zu viel Aufwand ist, der muss eben regelmäßig die Schnecken absammeln.

Unkraut

Die Bekämpfung von Unkraut macht einen erheblichen Teil der Gartenarbeit aus. Zum Glück werden Herbizide in Kleingärten kaum eingesetzt. Zu groß wäre auch das Risiko, die Nutzpflanzen ebenfalls zu schädigen. Im Regelfall heißt Umkrautbekämpfung eben jäten und hacken.

Einer zu starken Verunkrautung kann man freilich vorbeugen, wenn man systematisch mulcht. Das heißt, zwischen die Kulturpflanzen bringt man organisches Material wie Rohkompost oder Grasschnitt aus, das den Boden abdeckt und Unkraut nicht hochkommen lässt. Außerdem hält man durch Mulchen den Boden feucht und verbessert seine Fruchtbarkeit.

Freilich gibt es besonders in vernachlässigten Gärten manchmal Unkräuter, bei denen man schwerere Geschütze auffahren muss. Quecken und Geißfuß wird man durch Hacken nicht beseitigen können. Die Quecke bekommt man aber klein, wenn man sie systematisch abschneidet, sobald sie ein Stückchen gewachsen ist. Bei Geißfuß und anderen hartnäckigen Unkräutern hilft nur eins: den Boden mit Zeitungen oder Wellpappe lichtdicht abdecken. Wenn die oberirdischen Triebe nicht wachsen können, sterben nach einer gewissen Zeit auch die unterirdischen ab. Zumindest im Folgejahr kann das Beet dann normal bewirtschaftet werden.

Gerhard Bronner

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