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Kleinbiotope – die I-Tüpfelchen im Naturgarten

Das heimliche Leben in Stauden, Stein- und Reisighaufen

Hecke und Naturwiese als wichtigste Lebensräume in einem Naturgarten wurden bereits vorgestellt. Wer sich einmal eine Hecke in der Bräunlinger Gegend genauer anschaut, wird jedoch merken, dass sie eigentlich eine ganze Reihe verschiedener Kleinlebensräume umfasst. Die meisten Baarhecken sind ja als Lesesteinhaufen entstanden. Wo die Gehölze nicht so dicht stehen, findet man deshalb noch offene Steinhäufen. Am Rand der Hecke steht ein Saum aus Staudenpflanzen, vor allem aus der Familie der Doldengewächse. Und wo größere Bäume und Gehölze zur Brennholzgewinnung geschlagen wurden, liegen meist noch die dünneren Äste als Reisighaufen herum. Dies alles sind Kleinbiotope, und sie tragen wesentlich zur Vielfalt der Lebensgemeinschaft einer Hecke bei.

Ganz ähnliche Lebensräume kann man sich auch mit einfachen Mitteln und wenig Platz im Garten anlegen und dadurch eine Lebensmöglichkeit für eine Vielzahl weiterer Tierarten schaffen.

Steinhaufen und Trockenmauer

Warum sollte man nicht in einer sonnigen Ecke des Garten einen Haufen aus Natursteinen aufschichten? Mit etwas handwerklichem Geschick kann man in einer steileren Partie im Garten sogar eine Trockenmauer aus Natursteinen (ohne Mörtel) anlegen und so eine kleine Terrasse schaffen. Man wird staunen, was man dort alles beobachten kann.

In den Ritzen, Spalten und Steinlücken herrscht ein vielfältiges Leben. Eine Fliege, die sich auf einem Stein in der Sonne niedergelassen hat, um sich zu putzen, bemerkt nicht, dass sie beobachtet wird. Sie übersieht die Springspinne, die schon längere Zeit auf Beute lauert. Ein Sprung, und schon ist die Fliege zur Beute für die Spinne geworden. Doch auch sie muss auf der Hut sein: Eidechsen und Vögel suchen den Steinhaufen regelmäßig nach Beute ab.

Woher kommt diese Vielfalt? Die locker aufgeschütteten Steinhaufen bieten unterschiedliche Lebensbedingungen. Neben den trockenen und warmen Steinoberflächen gibt es die kühleren, erdigen Ritzen. Zur Anlage eines Steinhaufens werden Steine unterschiedlicher Größe möglichst locker übereinandergeschichtet und etwas Erde eingebracht. Dabei sollen Ritzen und Hohlräume entstehen, um Tieren und Pflanzen eine Ansiedlungsmöglichkeit zu bieten. Alles weitere besorgt die Natur von alleine.

Reisighaufen

Die meisten Igel, die man zu Gesicht bekommt, sind leider die platten auf den Straßen. Wenn man sie auch dreidimensional im Garten sehen möchte, muss man ihnen etwas bieten. Ein Reisighaufen, bestehend aus locker übereinander liegenden Strauchteilen, wird von Igeln gern als Unterschlupf angenommen. Hier kann er sich seinen Schlafplatz mit Laub und Grasteilen auspolstern und seinen Winterschlaf verbringen. Dabei sollte man ihn nicht stören.

Verblühte Stauden

Blühende Staudenpflanzen sind eine Attraktion für Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen. Sind die Pflanzen verblüht, schneidet ein ordentlicher Gartenbesitzer die oberirdischen Teile ab und wirft sie womöglich sogar noch in die Mülltonne. Doch auch verblühte Stauden haben ihren Reiz. Der erste Raureif zaubert aus ihnen eine filigrane Pracht. Und die einsetzende Kälte bringt auch nahrungssuchende Gäste in den Garten: Distelfinken mit ihrer auffällig bunten Färbung fallen in Gruppen ein und picken sich die Samen aus den Blütenköpfen.

Andere Tiere nutzen die hohlen Stängel: Ohrwürmer, Tausendfüßler, Schmetterlingsraupen und eine Vielzahl von Insektenlarven finden hier einen witterungsgeschützten Überwinterungsort. Wer einmal alte Stängel von Schilfrohr oder Doldenblütlern aufspaltet, wird sich wundern, was er alles findet. Im darauffolgenden Jahr bieten die hohlen Stängel Wildbienen einen Ort zur Aufzucht ihrer Brut. Damit die jungen Bienen schlüpfen können, müssen die inzwischen sichtlich alternden Stauden nochmals einen weiteren Winter stehen gelassen werden. Dann kann man mit etwas Glück die jungen Bienen schlüpfen sehen. Wildbienen, die in der Regel wesentlich kleiner sind als Honigbienen, sind übrigens absolut friedfertig und stechen kaum je.

Gartenteich

Am meisten Leben in einen Garten bringt immer noch ein kleiner Teich. Hat man nicht gerade dichten Tonboden im Untergrund, so muss man eine künstliche Abdichtung schaffen, am einfachsten mit einer stabilen Teichfolie. An der tiefsten Stelle kann ein Gartenteich ruhig 50-80 cm tief sein. Am Rand wird die Folie vergraben und mit Erde und Steinen abgedeckt. Im Wasser kann man auf die Folie auch noch etwas Erde aufbringen. Dies muss freilich sparsam geschehen, da sonst der Bewuchs zu üppig wird. Auch beim Einbringen von Wasserpflanzen sollte man zurückhaltend sein, sonst ist die Wasserfläche innerhalb eines Jahres zugewachsen.

Tiere braucht man in der Regel nicht auszusetzen: Wasserkäfer und Libellen finden jedes neue Gewässer sowieso, und selbst Molche werden sich nach einiger Zeit mit etwas Glück selbst einstellen. Nach dem Bau dauert es ein Weilchen, bis der Tümpel sein Gleichgewicht gefunden hat. Da kann es schon einmal zu einer Algenblüte kommen, doch die geht vorüber. Notfalls setzt man einige Wasserschnecken ein, welche die Algen abweiden.

Für die Wasserversorgung ist es am einfachsten, das Wasser von einer Dachrinne in den See zu leiten. Wenn im Sommer der Wasserspiegel einmal etwas fällt, so spiegelt dies nur die natürlichen Verhältnisse wieder.

Je nach Lage des Sees und Nährstoffgehalt des Sees muss er von Zeit zu Zeit entschlammt werden, das heißt man entfernt Laub und abgestorbene Pflanzenteile. Dabei merkt man oft erst, wie viel an Leben im Wasser steckt. Zwischen den Pflanzenstängeln krabbeln die gefährlich aussehenden, aber völlig harmlosen Libellenlarven, und manchmal sieht man eine Molchlarve mit ihren filigranen Kiemen.

Gartentümpel sind in letzter Zeit fast in Mode gekommen. Freilich sieht man oft kahle Betonwannen mit Pampasgras am Ufer und einer Seerose im Wasser und im schlimmsten Fall sogar noch Goldfischen. Mit einem natürlichen Biotop haben sie nichts gemeinsam, sie taugen allenfalls als Badewanne für Vögel. Um wie viel interessanter ist da ein natürlich gestalteter Tümpel mit einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen!

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