In Baden-Württemberg sollen Ein- und Zweifamilienhäuser in nur 22 Tagen komplett energetisch saniert werden. Das Umweltministerium wirbt für den sogenannten Sanierungssprint. Das soll Eigentümern Zeit und Geld sparen und das Land selbst auf dem Weg hin zur Klimaneutralität schneller voranbringen.

Eine komplette energetische Sanierung eines Wohnhauses in nur 22 Tagen? Wie soll das funktionieren? Inklusive Heizung, Sanitär, Dach, Fenster und Fassadendämmung. Dass dies gelingen kann, davon ist das Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg überzeugt und wirbt auf der Informationsplattform Zukunft Altbau für sogenannte Sanierungssprints, das sind bis ins Detail geplante, komplette energetische Sanierungen in nur wenigen Tagen. Interessierten Hauseigentümern wird Beratung und Unterstützung angeboten. Hilfe gibt es auch von den regionalen Energieagenturen, die kostenlos und neutral informieren und beraten. Zuständig in der Region ist die Klimaschutz- und Energieagentur Schwarzwald Baar-Heuberg (KEA) mit Hauptsitz in Tuttlingen. https://klea-sbh.de/
Mit den Turbosanierungen will das Land die Geschwindigkeit im Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität erhöhen und Hauseigentümer dazu ermutigen, diesen Schritt zu gehen. Denn was viele Hausbesitzer abschreckt, sind nicht alleine die hohen Kosten, sondern die langen Zeiträume, über die sich komplexen Maßnahmen hinziehen können. Mehr Geschwindigkeit ist auch mit Blick auf den fortschreitenden Klimawandel und die Europäische Gebäuderichtlinie erforderlich. Letztere gibt vor, dass bis 2033 die energetisch schlechtesten Ein- und Zweifamilienhäuser saniert werden müssen, was rund 22 Prozent der Ein- und Zweifamilienhäuser ausmacht.
Sanierung in nur 22 Tagen
Bevor ein Sanierungssprint starten kann benötigen Hauseigentümer die Unterstützung durch einen Energieberater, um nötige Maßnahmen für mehr Energieeffizienz zu definieren und festzulegen. Im Anschluss wird ein Architektur- oder Ingenieurbüro damit beauftragt, den Sanierungssprint im Detail zu planen. Das kann auch ein speziell geschulter Sanierungssprint-Koordinator übernehmen. Eine Liste aller Koordinatoren hat die Plattform Zukunft Altbau auf seiner Internetseite veröffentlicht: https://www.zukunftaltbau.de/fachleute/netzwerk-service/sanierungssprint
Bei der Planung wird bis ins Detail festgelegt, welche Gewerke wann im Einsatz sind, wie lange die Arbeiten dauern, welches Material zu welchem Zeitpunkt benötigt wird, welche Arbeiten parallel ausgeführt werden können und vieles mehr. Alles muss effizient ineinandergreifen. Steht die exakte Planung fest, kann die eigentliche Turbosanierung beginnen. Spontane Änderungen sind bei einem solch strikten Zeitplan dann allerdings kaum noch möglich. Die KEA empfiehlt, für die Planung mindestens zwei bis drei Monate Zeit einzurechnen und im Vorfeld auch bereits das Wohnumfeld mit einzubeziehen. Denn: Wenn die Sanierung läuft, ist auf der Baustelle viel Betrieb, was im nahen Umfeld eine Belastung darstellen kann. Eigentümer sollten sich für die Sanierungsphase zudem möglichst freinehmen, um vor Ort ansprechbar zu sein. Erste Turbosanierungen im Land sind abgeschlossen und haben gezeigt, Sanierungssprints können funktionieren.
Kosten und Fördermöglichkeiten
Nach Angaben der Informationsplattform Zukunft Altbau entstehen bei Sanierungssprints für Bauherren leicht höhere Kosten, als bei herkömmlichen Sanierungen. Ausschlaggebend sind Kosten für die aufwändige Planung. Es wird hier von rund vier Prozent der Investitionssumme ausgegangen. Allerdings sollen sich die anfänglichen Mehrkosten unter dem Strich wieder rechnen, denn durch eine effizient geführte Baustelle und standardisierte Verfahren fallen die eigentlichen Sanierungskosten oft geringer aus, so heißt es auf der Plattform.
Wie bei herkömmlichen Sanierungen können Bauherren auf die Fördermöglichkeiten der Bundesförderung für effiziente Gebäude zurückgreifen. https://www.bafa.de/DE/Energie/Effiziente_Gebaeude/effiziente_gebaeude_node.html Eine Fördertopf speziell für Sanierungssprints gibt es allerding noch nicht.
